„Der Wohlfühlfaktor im Büro“

05.03.2013 Interview mit Justus Kolberg

 

Oft ist es das Einfache, das besonders schwierig ist. Justus Kolberg hat sich dieser Herausforderung gestellt und steht heute für die Philosophie von schlichtem, klarem Design. Er beherrscht die Kunst, Möbeln trotz minimalistischer Formensprache ein
einzigartiges Gesicht zu geben. Für VARIO BüroEinrichtungen hat der Hamburger
Designer das Stellwandsystem SINIX entworfen. Im Gespräch erklärt Kolberg seine
Sicht auf die gestalterischen Ansprüche der modernen Bürowelt.

Wie hat sich das Bürodesign in den vergangenen Jahren verändert?

Kolberg: 20 Jahre lang beherrschten riesige Computer und Verkabelungen den Arbeitsplatz. Jetzt kehrt das Design in die Büros zurück. Die Kabel verschwinden in Schächten, die Flächen werden klarer und endlich erobern die Möbel ihre raumbildenden Funktionen zurück. Der Arbeitsplatz gewinnt eine emotionale Qualität.

Ein Arbeitsplatz mit Herz?

Kolberg: Es geht um den Wohlfühlfaktor. In den Unternehmen setzt sich immer
mehr die Erkenntnis durch, dass die Kreativität und Qualität der Arbeit steigt, wenn die Mitarbeiter ihr Büro als angenehm empfinden.

Ist das nicht eine Frage des individuellen Geschmacks?

Kolberg: In diesem Punkt empfinden die meisten Menschen ähnlich. Aktuell ist das Wohlbefinden sehr häufig eine Frage des persönlichen Freiraums am Arbeitsplatz. Der nachhaltige Trend zum Großraumbüro hat zwar dazu geführt, dass die Kommunikation zwischen den Kollegen einfacher wird. Vielen fehlt im Open Space aber die Rückzugsmöglichkeit. Wir müssen deshalb Möbel entwerfen, die den Wechsel zwischen konzentriertem Arbeiten und Teamwork erlauben – und dabei gut aussehen.

Für VARIO BüroEinrichtungen haben Sie neue Stellwände und Sichtblenden
entworfen. Worin lag dabei die Herausforderung?

Kolberg: In all meinen Entwürfen hebe ich darauf ab, dass man die Designleistung am besten gar nicht sieht. Der ästhetische Anspruch besteht immer darin, den Produkten ein Gesicht zu geben, ohne von der Schlichtheit abzurücken. Diesen Minimalismus im Open Space durchzuhalten, ist immer dann besonders schwierig, wenn die technischen Anforderungen hoch sind. Bei dem Stellwandsystem SINIX suchte ich nach einer eleganten Lösung, die sämtliche Kabel für Telefon, Computer und Beleuchtung verschwinden lässt und die Stecker durch Wände führt. Dabei sollten die Wände flexibel zu verbinden und der Umbau für die Kunden so einfach wie möglich sein.

Welche gestalterischen Trends beobachten Sie aktuell?

Kolberg: Es gibt immer weniger den einen Trend. Wichtige Themen für Büromöbel sind aber der bewusste Umgang mit Akustik und die Integration von Licht. Integriertes Licht bringt Qualität in den Raum. Außerdem wählen wir die Materialien sehr bewusst aus, um auch über eine angenehme Farbigkeit und Haptik einen Wohlfühleffekt zu erzielen. Ich setze verstärkt Stoffe ein. Auch bei SINIX.

Kann sich ein Hersteller mit dem Ansatz des Wohlfühlbüros von der Konkurrenz abheben?

Kolberg: Auf Dauer heben wir uns nicht in dem Ansatz ab, sondern mit dem hohem Anspruch in der Qualität der Umsetzung.

Sinix besitzt einen maximal feinen Rahmen, der hinter den Flächen zurückspringt, und somit kaum wahrgenommen wird. Einige Millimeter weniger in der Rahmenbreite oder der Polsterung erzielen im Gesamtbild einen erheblichen Unterschied. Diese Millimeter einzusparen, kann aber extrem aufwendig sein. VARIO geht so weit, dass sie dafür neue Werkzeuge entwickeln.

Lohnt sich eine solche Investition?

Kolberg. Aus Sicht des Designers auf alle Fälle. Die Investition zeigt aber auch, dass VARIO an den Erfolg seiner Produkte glaubt.

 

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